Wegweiser Tonträger

Musik in Chemnitz

mit dem titel "schöne musik für schöne menschen" kommt sie daher, auf dem cover schon mal die warnung "historians advisory: non authentic content" die aufmachung ist ebenfalls so gehalten, nicht mittelalterlich, sondern immer darauf bedacht, überall noch einen kleinen gag herauszuholen... spricht von einer guten live-performance auf dem mittelaltermarkt

schon von vorn herein sich eine gewisse un-authentizität zu bescheinigen, lässt viel musikalischen spielraum, den die drei auch ausnutzen, ohne dabei wirklich vom mittelalter-stil abzudriften, jedoch gut die heutigen hörgewohnheiten angepasst

sehr interessant interpretierte mittelalterliche stücke, die dem geneigten hörer wohl kaum bekannt vorkommen: keine marktstandarts und wenn schon ein standart, dann in einer gut durchdachten neu-interpretation

fünf der sechs stücke sind instrumental, lediglich bei "bacche benevenias" erklingen die stimmen, meinem geschmack etwas zu gefällig für eine so daherkommende band, hat aber den vorteil: selbst bei wiederholtem hören geht einem der gesang nicht auf den nerv

die cd ist im studio aufgenommen, die instrumente sauber eingespielt (erwähnenswert, da schalmeien gern mal einen 4tel-ton daneben liegen)

*** fazit ***

schöne rhythmen und melodien, gute aufnahme und professionelle präsentation!

jedem fan mittelalterlicher musik zu empfehlen!

tobi - 22.04.2004

Quelle

Pax et Gaudium

Unter diesem frech-provokanten Titel präsentiert das Trio Nachtwindheim sein Machwerk. Die sechs Stücke mit einer Gesamtlaufzeit von 19:43 Minuten enthalten solide gespielte Klassiker aus den Cantigas de Santa Maria und dem Codex Buranus neben einigen Eigenkompositionen. Hierzu zählt das schräge, um nicht zu sagen: interessante "Präludium", das nach Aussage der Band nur "im weitesten Sinne" dem Begriff Musik zugerechnet werden kann: "Es entsteht wenn Pluto Mars die Pantoffeln bringt und dabei unter den großen Wagen gerät."

Während "We Bend a Dee 10" orientalisch angehaucht - allerdings nur mäßig sauber - erklingt, wird im letzten Stück "Reeds miez Stringz" eifrig gejazzt. Entnommen ist es übrigens einem ominösen "Opius 4711, No. 0815", das den Kenner mittelalterlicher Musik an das Lied "Quem a omagen da virgen" erinnern dürfte (und auch an die "Sharazula" und den "Traubentritt" - Hinweis der Band).

Fazit: Eine CD von und für Menschen mit Humor.

Quelle: Pax et Gaudium No 15 / S.85

Mittgard

Die Jungs haben jetzt eine CD rausgebracht! "Schöne Musik für schöne Menschen" - der absolute Brüller! Den Anfang macht eine interessante Geräuschcollage, die das Thema hat: "Pluto bringt Mars die Pantoffel und kommt dabei unter den Großen Wagen". Herrlich Gefolgt von einigen Mittelalterstücken, die auf Märkten nicht ständig hoch und runter genuddelt werden und deshalb so richtig schön sind! Auch wenn ich mich nicht dem Eindruck erwehren kann, als wenn sie die auch etwas verhohnepippelt hätten. Ich kann zwar kein Latein, doch in dem einen höre ich ständig was vom Kanapee und das orientalische erinnert mich aus irgendeinem Grund an "Asterix und Obelix" und die Szene "Kleopatra will baden gehen" Das Letzte Stück wird von einer alten Schellackplatte gejazzt - das grooovt!

Deshalb unbedingt kaufen wer mal was anderes als das übliche Mittelaltergeleier haben will!

Und noch ein Tip für alle, die Mittelalter nicht so ernst nehmen und auch noch Spaß dran haben wollen: die Jungs geben zu Pfingsten eine "Schlagerparade" in Oelsnitz! Wir durften davon schon mal einige Kostproben hören und glaubt mir, ihr werdet nicht nur vom Met vor Lachen unterm Tisch liegen!

fröhlichen Tag noch, die Ines.

Quelle

Orkus

Waschbrett, Knarre, Schüttelei und Holzfrosch.... das sind nicht etwa die Waffen einer Hausfrau, die Amok läuft! Nein, nein. Mit diesen Utensilien kann man Musik machen. Ganz echt! Besonders dann, wenn es sich um historische Melodeyen handelt.Bei dem Titel denkt man nicht sofort an mittelalterliche Musik, auch der Opener "Praeludium" gibt von der musikalischen Pracht noch nicht viel preis. Doch das tanzfreudige Spiel läßt nicht lange auf sich warten und verliert nichts an seiner Vielfältigkeit. Mit den heiteren Dudelsack- und Schalmeiklängen sowie den donnernden Paukenschlägen ergibt sich eine gesunde Portion Frohsinn und gute Laune. Altbekannte Stücke werden noch einmal neu aufgekocht ( es sind auch neue Stücke dabei! Anm. d. Band), und heraus kommt ein Menü voller Takt und Schwung. Es ist eine wahre Freude, sich dieses Schmankerl zu Gemüte zu führen. Dabei fällt es nicht schwer, sich die drei Sachsen live in ihrer Gauklerrolle vorzustellen. Für Freunde der traditionellen Musik fast schon ein Muß, denn schöne Musik für schöne Menschen bringt nicht nur viel Spaß, sondern ist einfach SCHÖN!

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Quelle: Orkus Ausgabe Juni 2004 /Bettina Pudmensky

Eulenthal-Logo

Wer glaubt, er habe schon alles gehört, was sich im Meer der mittelalterlichen Musik so tummelt, der hat sich ganz schön geirrt. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bis dato noch nie etwas von den drei symphatischen Sachsen gehört hatte. Dafür war meine Begeisterung um so größer, als die ersten Töne aus meinen Boxen drangen.

Am Anfang etwas skeptisch und neugierig, denn der Titel lässt nicht sofort auf ein solches Spektakel schließen, lehnte ich mich zurück und tauchte ein in die Welt der Spielmannskunst. "Praeludium" eröffnet das Werk und so seltsam dieser Opener auch klingen mag, er hat auch seine Bedeutung. So soll nämlich der Legende nach Pluto klingen, wenn er für Mars die Pantoffel holt und dabei unter den großen Wagen gerät... Armer Pluto! Und das war es dann auch schon mit zurück lehnen und berieseln lassen. Denn was dann kommt, ist genau das Richtige, um mit Freunden und Gefährten in geselliger Runde, bei dem ein oder anderen Krug Met, ein paar fröhliche Stunden zu verbringen. Und mit fröhlich meine ich fröhlich. Meine Nachbarn werden mir es verzeihen, aber bei dieser Spielfreude und diesem Enthusiasmus kann ich nicht auf meinen vier Buchstaben hocken bleiben. "Da que Deus", ein Stücklein, schon so oft gespielt und umgesetzt, wird hier in ein neues Gewand gekleidet. Das Bacchus ein gern gesehener Gast ist, scheint unsereins völlig klar zu sein. So auch bei "Bacche benevenias". Obwohl hier mehr oder weniger vor den Folgen trinkfreudiger Genüsse gewarnt wird, lädt dieses Lied förmlich dazu ein, seine ausgedörrte Kehle zu befeuchten. Es bleibt keine Zeit, sich zu beruhigen, denn tanzwütig geht es weiter im Text. "We Bend A Dee 10" regt mit seinem leicht orientalischen Takt zum Hüftkreisen und stetigem Auf- und Abwippen an. Und plötzlich stellen sich meine Lauscher auf... Ich denke, ich höre nicht richtig: welch gar liebliche Klänge schweben da aus meinen Boxen? Der Schweinehirtentanz, "Saltatio suum pastorum"! Langsam bauen sich die feinen Harfen- und Flötenspiele zu einem brausenden Fest der Gefühle auf. Da schlägt das Herz eines jeden Liebhabers traditioneller Musik höher. Zu guter Letzt gibt es noch einen kleinen Schmankerl, bei dem wohl kein Fuß ruhig stehen bleibt und kein Kopf nicht im Takt mitwippt. "Reez Miez Stringz" heißt der gelungene Abschluss dieser Scheibe, die soviel gute Laune verbreitet, das es eine wahre Freude ist und man sich wünscht, man müsse sich dieses Exemplar nicht alleine anhören.

Ich bin gespannt, ob ich einmal Gelegenheit haben werde, mir die Schöpfer des gelungenen Werkes auch natura anschauen und anhören zu können. Denn André, Andreas und Henrik treten nicht nur als Spielleute auf, sondern geben auch Gauklereien und Kunststücke zum Besten. Ich hoffe, ich habe euch neugierig gemacht. Und wer möchte, kann Nachtwindheim auf ihrer Homepage (www.nachtwindheim.de) besuchen und sich eine kleine Kostprobe des Albums Schöne Musik für schöne Menschen holen. Es lohnt sich wirklich, denn es ist einfach SCHÖN!

Quelle