Wegweiser Presse

Narren und Pfeifer pfeifen aufs Mittelelalter

Burg Schönfels für zwei Tage im Griff von Musikanten und Wikingern - Derbe Späße und Keilerei ganz nach dem Geschmack des Publikums

Foto:Lars Rosenkranz

VON ANDREAS WOHLAHD Schönfels. Wow, endlich wieder mal ein Mittelalterfest. das diesen Namen auch verdient und wo richtig was los ist, Thomas Schädlich aus Reichenbach war von dem Spektakel am Wochenende auf der Burg Schönfels begeistert.

Anders als bei ähnlichen Veranstaltungen in den zurückliegenden Jahren. warteten die Organisatoren diesmal mit einem durchgängigen Bühnenprograrnm auf. "Wenn die Leute hier her kommen und dafür Eintritt bezahlen erwarten sie zu Recht, dass ihnen für ihr Geld etwas geboten wird", stellte Johannes der Pfeifer, alias Andreas Bär aus Glauchau, klar. Er gehörte zu den rund 20 Aktiven, die für ihre Gäste jede Menge Musik, viel mittelalterliches Treiben und dazwischen stets noch einen Menge Schabernack bereit hielten.

Zu den musikalischen Glanzlichtern zählten neben "Donner und Doria" auch die drei Mannen von "Nachtwindheim" aus Einsiedel. Mit Laute, Harfe. Trommel, Sackpfeife und Flöte sorgten sie für Stimmung zwischen dicken Mauern. Zur Freude der Anwesenden beschränkten sich die Barden nicht allein darauf, eine perfekt inszenierte fröhlich-freche Mittelaltermusik abzuliefern. Immer wieder bezogen sie ihr Publikum in das Treiben ein. Das musste dann schon mal auf den einen derben Spaß gefasst sein.

Wem nicht nach mitmachen zumute war, der verdrückte sich einfach für ein paar Minuten und schnupperte auf dem weitläufigen Gelände des unteren Burghofes ein wenig in das Mittelalterleben hinein. "Wir haben für die Besucher eine ganze historisches Handwerk aus jener Zeit aufgefahren. Das reicht von vom Drechseln übers Weben bis hin zum Papierschöpfen", berichtete Michael Zickuhr vom Falkensteiner Mittelalterverein. Für ihn war das Fest auf der Burg schon fast ein Heimspiel. Der 28-Jährige, der sich mit dem stolzen Mittelalternamen "Michael zu Planitz" schmücken darf, stammt aus dem gleichnamigen Zwickauer Stadtteil. "Schon als Kind hat mich diese Epoche begeistert. Zu meinen Filmhelden zählten unter anderem auch Robin Hood und seine Mitstreiter." Sich in den alten Klamotten vor den Leuten zumm "Affen" machen? Nein, so sieht er das nicht Es ist ein Hobby wie jedes andere auch. Nicht unbedingt wie Briefmarken sammeln oder Hasenzüchten. Auf alle Fälle jedoch faszinierend und abwechslungsreich.

Damit reitet er auf der gleichen Welle wie die drei Frauen und Männer der Solheim-Sippe. Das muntere Sextett aus dem Vogtland hat sich ganz dem Leben der Wikinger verschrieben und ließ sich am Wochenende gerne mal unters Zeltdach und sogar in den Kochtopf blicken. "Landläufig gelten die Wikinger als ein kriegerisches Volk. Dabei wissen die wenigsten, dass sie über eine hohe Handwerkskunst verfügten", erklärte Marko Wehner aus Plauen. Schon deshalb demonstrierte die kleine Truppe wie seinerzeit gesponnen, Hörner geschnitzt und Kettenhemden hergestellt wurden. Insbesondere an Letzteren gab es einen ständigen Bedarf.

Auch beim Mittelalterwochenende auf der Burg wurde kräftig gehauen und gestochen. Um die Zuneigung der holden Weiblichkeit buhlend, hieben die Hobby-Normannen ordentlich mit Streitaxt und Schwert auf einander ein. Statt sich jedoch gegenseitig den Garaus zu machen, strapazierten sie während ihrer Schaukämpfe nicht selten das Zwerchfell der Zuschauer.